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Adornos Satzzeichen

S O N N T A G ,   6 .   M A I   2 0 0 7   -   1 9 . 0 0 

Elisabeth Lenk
Sätze wie Musik behandeln
Freie Meditationen über Adornos Satzzeichen
und über den Eisernen Steg

"Nun, da der Rummel um Adornos hundertsten Geburtstag vorbei ist, ergibt sich vielleicht die Chance, noch einmal zu überdenken, was die Frankfurter Schule uns bedeutet hat. Zwar kann ich nicht für alle sprechen, ich zögere sogar , es für meine Generation zu tun, aber für mich selbst kann ich sagen, dass mein Schicksal, als ich mich am 22.11.1957 an der Johann Wolfgang Goethe Universität für das Fach Kulturwissenschaft eintrug, bereits besiegelt war.
Als ich bei Horkheimer das philosophische Proseminar, bei Adorno Erkenntnistheorie, bei Maier Hauptprobleme der amerikanischen Soziologie und bei Höllerer Ionescos „Stühle“ belegte, von Ingeborg Bachmanns Poetik-Vorlesung zu schweigen, gab es die Frankfurter Schule so wenig wie die Frankfurter Skyline. Es gab nur Kräne, die nachts in den dunklen Himmel ragten. Natürlich war der Eiserne Steg immer noch der Bindestrich zwischen den beiden Stadthälften und auch der Frankfurter Hauptbahnhof hatte längst seinen Betrieb wieder aufgenommen, aber ich erinnere mich noch, dass vom Dach des Bahnhofgebäudes ein übrig gebliebenes weißes Pferd herabhing. Es herrschte Aufbruchstimmung, auch an der Universität. Die zurückgekehrten Emigranten hatten zwei Dinge mitgebracht, die mich gleichermaßen elektrisierten: In ihnen begegneten wir einer vorfaschistischen Vergangenheit, die völlig unbelastet war, aber auch einer Zukunft, die eine neue Welt versprach.
Über die Zukunft, wie sie uns damals erschien, möchte ich einige Überlegungen anstellen: Sie hieß Amerika und war eine Obsession, ein Schrecken, der uns erwartete und noch viel mehr ein Hoffen, ja sogar ein heißes Begehren." Elisabeth Lenk über ihren Vortrag am 6. Mai.

Im Jahr 2001 erschien Elisabeth Lenks Briefwechsel mit Adorno 1962-1969. Der Briefwechsel hatte einen unspektakulären Anlass: Er war nötig geworden, weil Elisabeth Lenk, Adornos soeben dem Examen entronnene Schülerin, nach Paris ging, um dort weiter zu studieren und zu promovieren. Elisabeth Lenk, SDSIerin der ersten Stunde, lernt Andre Breton und die surrealistische Gruppe, dann die Situationisten kennen und berichtet schließlich, als Lektorin an der Universität Nanterre, aus nächster Nähe von den Mai-Ereignissen. Adorno seinerseits erscheint als jemand, der von allen Seiten gefordert, aber auch angegriffen wird, immer bereit, die Schläge auf elegante Weise zu parieren, nie beleidigt, immer sachlich, aber gegen Ende doch auch sehr gehetzt, verletzt und erschöpft.


 


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Theodor W(iesengrund) Adorno, deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist, wurde am 11.09.1903 in Frankfurt am Main geboren und starb am 06.08.1969. Er arbeitete seit 1930 am Frankfurter Institut für Sozialforschung. 1934 emigrierte er aus dem nationalsozialistischen Deutschland zunächst nach England später in die USA, kehrte aber nach dem Krieg nach Deutschland zurück und lehrte seit 1950 als Professor in Frankfurt am Main. Er war einer der Hauptvertreter der „Kritischen Theorie”.

Vita Elisabeth Lenk:
- Jahrgang: 1937
- Geboren in Kassel
- Studium der Philosophie, Soziologie und Literatur in Frankfurt und Paris (Adorno/Lucien Goldmann)
- Assistentin bei Peter Szondi
- ab 1976 Professorin an der Universität Hannover


 


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E L I S A B E T H   L E N K   A M   6 .   M A I   I M   A L T E N   L I T E R A T U R H A U S 



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